Yoga Sutra Kapitel 1

Yoga Sutra Kapitel 1

Vor einiger Zeit hatte ich eine kurze Erläuterung zur Yoga Sutra von Patanjali geschrieben. Hier möchte ich nun auf das erste Kapitel eingehen.

Samadhi Pada

Samadhi bedeutet übersetzt Erleuchtung, Pada Kapitel. Es besteht aus 51 Versen und beginnt mit dem, worum es in der Yoga Sutra geht, Instruktionen über Yoga. Direkt im zweiten Vers folgt die Definition von Yoga „Yogaschitta vrtti nirodhah“.

Dieser Vers ist der wichtigste des Buches. Denn er erklärt, was Yoga eigentlich ist, bzw. wo es hinführen soll. Das bedeutet, es geht darum, die Muster oder auch Bewegungen des Geistes zu reduzieren, nicht den Geist selbst.

Es gibt fünf verschiedenen Zustände des Geistes (Sanskrit: Vrttis). Alle anderen mentalen/geistigen Zustände sind Modifikationen dieser fünf. Diese fünf Zustände sind:

  1. Pramana – richtiges Wissen
    Dieses kann durch drei Quellen erworben werden:
    1. Sinneswahrnehmungen – Kontakt eines Sinnesorgans mit einem Objekt, z.B., wenn wir eine Blume sehen oder riechen, wenn wir jemanden weinen hören usw.
    2. Schlussfolgerung/Rückschluss
    3. Bezeugung
  2. Viparyaya – falsches Wissen, Missverständnis
  3. Vikalpa – unbegründeter Glaube
  4. Nidra – Schlaf, Tiefschlaf
  5. Smriti – Erinnerungen, Erinnerungsvermögen

Es gibt zwei Möglichkeiten mit diese Modifikationen umzugehen, um die Vrttis, die Bewegungen des Geistes zum Stillstand kommen zu lassen, nämlich, Abhyasa und Vairagya.

  1. Abhyasa
    Abhyasa ist die konstante, beharrliche Praxis. Damit ist nicht gemeint etwas für eine bestimmte Zeit zu praktizieren, sondern eine fortlaufende, fest etablierte Praxis.
  2. Vairagya
    Vairagya bedeutet loslassen, nicht anhaften im Sinne von Gleichmut. Dies gilt sowohl für Dinge und Objekte, die man mag, als auch für Dinge, die man nicht mag.

Der Zustand von Samadhi, kann nur erreicht werden, wenn die Vrttis zum Stillstand gekommen sind, also das Eintritt, was Yoga ausmacht „Yogaschitta vrtti nirodhah“.


Literatur

[1] Patanjali, Patanjali: Das Yogasutra : Von der Erkenntnis zur Befreiung. Stuttgart: Theseus Verlag, 2017.
[2] Saraswati, Swami Niranjanananda ; Saraswati, Swami Satyananda: Four Chapters on Freedom : Commentary on the Yoga Sutras of Patanjali. : Yoga Publications Trust, 2002.

Was ist Meditation? Wie meditiere ich?

Was ist Meditation? Wie meditiere ich?

Für Meditation gibt es verschiedene Beschreibungen. Was heutzutage meist mit Meditation verbunden wird, ist das Stille hinsetzen nichts tuen für eine bestimmte Zeit. Eigentlich ist Meditation (dhyana im Sanskrit) die Fähigkeit sich ohne Ablenkung auf ein Objekt konzentrieren zu können.

tatra pratyayaikatānatā dhyānam

— Patanjali Yogasutra1

Das ist oft leichter gesagt als getan, da unser Geist dazu tendiert zu wandern. Daher gibt es Vorstufen zur Meditation, das zurückziehen der Sinne (pratyahara) und die Konzentration auf ein bestimmtes Objekt oder Bild (dharana).

So entsteht die Meditation aus der Konzentration.


Literatur

  1. Saraswati, Swami Satyananda. Four Chapters on Freedom: Commentary on the Yoga Sutras of Sage Patanjali, Yoga Publications Trust.
  2. Desikachar, . K. V.: The Heart of Yoga – Developing A Personal Practice, Inner Traditions Bear and Company.